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Studie bestätigt: Frauen werden benachteiligt

BERLIN, den 30.09. 2004 - Frauen werden in der öffentlichen Verwaltung bei der Personalbeurteilung augenscheinlich schlechter beurteilt als ihre männlichen Kollegen. Zu diesem Ergebnis kommt das Ministerium für Justiz, Frauen, Jugend und Familie des Landes Niedersachen, das in einer Studie insgesamt 982 Beurteilungen von Richtern, Richterinnen, Staatsanwälten und Staatsanwältinnen ausgewertet hat. Die Studie bestätigt, was viele bereits unbewusst vermutet haben.

Gerade im öffentlichen Dienst kommt der Personalbeurteilung eine besondere Bedeutung zu. Sie ist die Hauptgrundlage für Entscheidungen über den Einsatz und die Beförderung von Mitarbeitern.

Im Zuge der niedersächsischen Studie hatte sich ergeben, dass bei der Mitarbeiterbeurteilung mit „vorzüglich“ nur 4,8 Prozent der Bewerberinnen beurteilt wurden, aber 10% der männlichen Bewerber diese Benotung erhielten. Mit „besser als sehr gut“ schnitten 11,4% der Frauen ab, aber wiederum 19,7% der Männer. „Sehr gut“ erhielten 33,1% der Frauen und 39,7% der Männer. Bei der Beurteilung „gut geeignet“ bzw. „geeignet“ dominierten dann die Frauen mit 33,5% bzw. 7,3%, während nur 15,8% bzw. 1,8% der Männer so eingestuft wurden.

Dr. Frank Dulisch, Leiter des Wissenschaftlichen Dienst an der Fachhochschule des Bundes in Brühl, führt die unterschiedliche Beurteilung von Frauen und Männer teilweise darauf zurück, dass bei der Personalbeurteilung eine „durchgängige Berufsbiografie“ mitentscheidend sei. Berufliche Unterbrechungen, wie sie bei Frauen in ihrer Doppelrolle als Berufstätige und Mutter häufig vorkommen, tragen mithin zwangsläufig zu Benachteiligungen der weiblichen Bewerber bei.

Aber auch unbewusste Beurteilungsfehler verzerren das Ergebnis bei der Bewertung von Frauen, sagen Wissenschaftler.

Dies sind z.B.:

Hierarchieeffekt: In der Hierarchie werden höher stehende Personen gewöhnlich allein schon aus diesem Grund – unabhängig von ihrer tatsächlich erbrachten Leistung – besser beurteilt. Da Frauen seltener Führungspositionen bekleideten, führt dies zwangläufig zu schlechteren Beurteilungen.
Klebereffekt: Personen, die längere Zeit nicht befördert worden sind, werden tendenziell schlechter beurteilt. Dies verstärkt die Diskriminierung von Frauen.

Ähnlichkeitseffekt: Darunter versteht man, dass Beurteilte, die dem Beurteilenden bei bestimmten Merkmalen ähnlich sind, tendenziell besser beurteilt werden. Also: Wenn die beurteilenden Führungskräfte mehrheitlich männlich sind, führt auch dieser Effekt systematisch zu einer Benachteiligung der Frauen.

Wissenschaftler empfehlen deshalb allen Führungskräften, die Beurteilungen schreiben müssen, sich der Wahrnehmungsverzerrungen bewusst zu werden. Wichtig sei es, in gewissem Umfang jeweils Objektivität herzustellen. Dies könnte durch die Einschaltung von neutralen Instanzen und Quervergleichen geschehen. Außerdem sollten sich Führungskräfte bei ihrer Beurteilung eines Bewerbers möglichst frei machen von früheren Beurteilungsergebnissen. Alte Aussagen würden unweigerlich auf neue abfärben. Tatsächlich könnten sich Mitarbeiter aber zwischenzeitlich positiv geändert haben.

Was können die liberalen Frauen mit dieser Information anfangen:

1. In den Länderparlamenten kleine Anfragen zur Personalbeurteilung stellen.

2. In den Kommunalparlamenten schriftliche Anfragen zur Personalbeurteilung stellen.

Sollten Sie eine solche Initiative ergreifen, bitte mailen Sie das Ergebnis an den Bundesverband (Ina Lenke).