Sprache schafft Wirklichkeit!
„Sprache schafft Wirklichkeit“ war das Fazit der Veranstaltung der Liberalen Frauen Schleswig-Holstein am 30.09.2008 im Kieler Restaurant Seeburg. Unter dem Thema "Sprachkosmetik oder Gleichstellungsinstrument?" - Zu den Wirkungen und den Möglichkeiten geschlechtergerechter Formulierungen referierte Frau Privatdozentin Dr. Braun, Sprachwissenschaftlerin von der Universität Kiel. Bei der Begrüßung stellte die Landesvorsitzende, Christiane Coenen, die Frage: „Müssen wir wirklich sagen und schreiben: die Landrätin oder der Landrat oder ihre Stellvertreterin oder ihr Stellvertreter oder seine Stellvertreterin oder sein Stellvertreter? Hat diese sprachliche Verrenkung denn überhaupt die erhoffte Wirkung?“ Frau Dr. Braun erläuterte in ihrem Vortrag ausführlich was man überhaupt unter sprachlicher Gleichstellung versteht. Sie ging dann auf die vorliegende Forschung zu den Wirkungen der sprachlichen Gleichstellung ein. Inzwischen lägen etwa zwanzig fundierte Studien dazu vor. Die wichtigsten Ergebnisse seien übereinstimmend: dort wo die maskuline Form eines Wortes verwandt werde, sei der gedankliche Einschluß von Frauen am geringsten. Neutralformen seien in ihrer Wirkung unzuverlässig. Am wirkungsvollsten sei die explizite Nennung von Frauen, so Frau Dr. Braun. Frau Dr. Braun erhielt viel Beifall für ihren Vortrag und es ergab sich eine rege Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, denen am Ende der Veranstaltung sehr wohl bewußt wurde, dass sprachliche Gleichstellung keine „Sprachkosmetik“ ist, sondern eine Notwendigkeit, denn der Gebrauch von femininen und maskulinen Formen beeinflußt bewußt oder unbewußt auch die Nominierungen für Ämter.
Nach dem offiziellen Teil klang der Abend mit einem leckeren Fingerfood-Buffet aus, und die Diskussionen wurden dabei in unterschiedlicher Zusammensetzung noch länger fortgesetzt.