Logo Intact

Gudrun Kohlruss von (I)NTACT zu Gast bei den Liberalen Frauen Stuttgart.

Stuttgart. Am 22.10.2015 fand im Rahmen einer Einladung der LiF Stuttgart im Ratskeller eine Veranstaltung mit Gudrun Kohlruss – Vorsitzende und Gründerin der Regionalgruppe (I)NTACT - zum Thema: „Afrikanische Frauen zwischen Tradition, Beschneidung und Selbstbestimmung“ statt.

Nach der Begrüßung von Renata Alt – 1. Vorsitzende der LiF Stuttgart und Mitglied im Landesvorstand /FDP – referierte Kohlruss zu diesem Thema in sehr sensibler Art und Weise. Der Einstieg – sie las aus dem Buch von Nura Abdi „Tränen im Sand“ – gab den Anwesenden einen vorsichtigen, jedoch sehr eindrücklichen Einblick, der mehr als nur betroffen machte.

Weltweit werden immer noch 140 Mio. Mädchen, Frauen und sogar Säuglinge dieser sogenannten „Tradition“ unterzogen. Zehntausende, die genital verstümmelt wurden, leben allein in Deutschland. Der traditionell und kulturell verwurzelte Brauch wird nach Angaben des Bundesentwicklungsministeriums vor allem in 28 Ländern Afrikas sowie in einigen arabischen und asiatischen Ländern praktiziert. Allein in Ägypten sind es 92% und in Äthiopien 70% der Mädchen und Frauen, die sich diesem, furchtbaren und menschenverachtendem Ritual unterziehen müssen.

Gudrun KohlrussSchon im Alter von 3 – 6 Jahren oder sogar noch jünger erleiden die Mädchen ein Trauma, das sie zeitlebens prägt und nicht vergessen. Glasscherben, Rasierklingen oder andere „scharfe“ Hilfsmittel werden benützt, um diese grausam Tortur durchzuführen. Genäht wird die „Wunde“ mit Akaziendornen oder auch Pferdehaar. Das Schreien ist dabei verboten und wird nicht selten mit einem Knebel aus Stoff verhindert. Sechs Wochen verbringen die Gepeinigten in einen separaten Raum; oft treten Komplikationen auf, da die hygienischen Verhältnisse in keiner Weise gegeben sind. Die Großmütter sind hierbei „die Hüter der Tradition“! Die Folgen für die seelische Gesundheit sind unermesslich...

Auch ein Schulbesuch ist kaum möglich, da die Mädchen – aufgrund der nur noch streichholzgroßen Öffnungbeim Toilettengang mehr als 30 Minuten benötigen. Infektionen sind keine Seltenheit und somit ist der Frau – ohne Schulbildungeine gezielte Rolle zugewiesen, aus der sie ohne andere Hilfe, sprich von außen, keine Chance hat, je zu entkommen.

Doch, wer kann helfen? Wichtig ist es – so Gudrun Kohlruss – vor allem den „Dorfältesten“ wie auch die „Beschneiderinnen“ mit „ins Boot zu nehmen“. Die Organisation (I)NTACT hat es mit gezieltem Engagement und Einsatz geschafft, dass das Land Benim seit 2005 „100% beschneidungsfrei“ ist.Sozialarbeiter unterweisen vor Ort in den einzelnen Regionen, um Aufklärung und Wissen in die Dörfer zu tragen. Sie helfen und unterstützen, damit eine Schulbildung – auch und insbesondere für die Mädchen – Realität werden kann. Bundesweit gibt es hier aktuell ca. 1000 gefährdete Mädchen, die entweder in den Ferien in ihren Heimaltländern oder hier in Deutschland, von „eingeflogenen“ Beschneiderinnen dieser Unwürdigkeit unterzogen werden.

Die anwesenden Gäste haben bei dieser Veranstaltung nicht nur einen sehr konkreten Einblick über eine Thematik bekommen, die hierzulande auch noch ein „Tabu“ darstellt, sondern auch das Verständnis darüber, wie man ganz konkret helfen und unterstützen kann. Frau Kohlruss ist gerne bereit weitere Fragen unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zu beantworten. Die Liberalen Frauen Stuttgart danken Frau Kohlruss für diesen Abend und ihr Engagement! (SW)