HAPPACH-KASAN: Einheitliches „Ohne Gentechnik“-Label ist Verbrauchertäuschung BERLIN, den 10.08.2009 - Heute stellt Bundesministerin Ilse Aigner das Label „Ohne Gentechnik“ vor. Dazu erklärt die Gentechnik-Expertin der FDP-Bundestagsfraktion Christel HAPPACH-KASAN:
Die „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung ist und bleibt eine Verbrauchertäuschung. Die Ministerin sollte ehrlich sein und sagen, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel bereits „in aller Munde“ sind und dies auch völlig unbedenklich ist. Es ist eine grobe Irreführung der Verbraucherinnen und Verbraucher, wenn ihnen durch eine solche Kennzeichnung eingeredet wird, dass in der Lebensmittelproduktion generell auf Gentechnik verzichtet werden könne. Das ist eine unrealistische Vorstellung. Man kann das Rad der Zeit nicht zurückdrehen.
„Gentechnikfrei“ heißt nicht, dass Produkte mit diesem Kennzeichen ohne Gentechnik hergestellt wurden. Futtermittel enthalten verschiedene Zusatzstoffe wie beispielsweise Aminosäuren. Diese werden mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen produziert und dürfen auch beim Label „gentechnikfrei“ verfüttert werden. Die Futtermittel dürfen bis zu einem Anteil 0,9 Prozent von gentechnisch veränderten Pflanzen stammen. Bei der Lebensmittelproduktion dürfen Enzyme wie das Labferment Chymosin, das in der Käseherstellung genutzt wird, mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen produziert sein. Es dürfen auch Vitamine enthalten sein, die ebenfalls mit gentechnisch veränderten Organismen hergestellt werden. Zudem dürfen Lebensmittel gentechnisch verändertes Material beinhalten und trotzdem als „gentechnikfrei“ bezeichnet werden, wenn dies technisch unvermeidbar ist.
Die Ministerin ist aufgefordert, sich nicht weiter mit dieser Symbolpolitik zu beschäftigen, sondern die dringenden Probleme der Lebensmittelkennzeichnung und des Verbraucherschutzes anzupacken. Ein Beispiel ist die Verbrauchertäuschung durch so genannten „Analog-Käse“ oder Schinkenimitate. Es ist Aufgabe der Bundesregierung, verbindliche Kennzeichnungsregeln festzulegen, die sicherstellen, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher die Möglichkeit erhalten, sich über Produktinhaltsstoffe zu informieren. Dass Bundesministerin Aigner als Ort der Pressekonferenz München und nicht Berlin gewählt hat, zeigt, dass sie vorrangig Politik für Bayern betreibt, nicht für Deutschland.
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