Libellen Dortmund

Am 25.1.2018 sprach Prof. Dr. Oliver Kayser, Dekan der Fakultät Bio- und Chemieingenieurwesen an der TU Dortmund, über den buddhistischen Pilgerweg „Shikoku hachijū hakkasho“ auf der Insel Shikoku in Japan.

Über ca. 1100 km schlängelt sich die Strecke an 88 Tempeln (sehr alten aus Holz oder neueren aus Beton) entlang und führt durch wunderbare Landschaften - teils bergig, teils flach - und kontrastreiche Städte und Dörfer. Dieser Weg hat eine lange spirituelle Bedeutung, und so sind viele Japaner der Meinung, dass man sich einmal im Leben auf diese Reise gemacht haben sollte, bevorzugt zur Zeit der Kirschblüte. Man muss ihn aus ihrer Sicht aber nicht an einem Stück schaffen, es reichen auch Etappen, man muss auch nicht den ganzen Weg zu Fuß gehen, man kann Strecken mit dem Zug fahren, und es gibt auch Fahrrad-, Moped- oder Autopilger.

Japanische Pilger tragen oft einen weißen Anzug, auf dem Hemd steht: „Ich bin auf dem Pilgerweg und bereit zu sterben.“ Ihr Pilgerstab zeigt in Sanskrit die 4 Elemente und wird im Tempel 88 (am Ende der Pilgerreise) zurückgelassen. Wichtig ist eine Tasche für das Pilgerbuch, in das an allen besuchten Tempeln Mönche mit Tusche Schriftzeichen und einen Stempel setzen und das von den Pilgern wie ein Schatz gehütet wird. Beim Betreten des Tempels gibt es ein festes Ritual. Man geht zunächst durch ein Tor, gibt Wasser in die Schale der Kũkai-Statue, unterzieht sich dem rituellen Waschen des Gesichtes und der Hände, schlägt die Glocke beim Eintritt in den Tempel, kann Räucherstäbchen abbrennen, Andacht halten oder meditieren. Die Mönche sind sehr hilfsbereit, aber man kann nur in Notfällen in den Klöstern übernachten. Es gibt aber genug einfache Unterkünfte, die man jedoch rechtzeitig am frühen Abend erreicht haben sollte. Deshalb muss man die einzelnen Etappen gut planen, da manche Wege wegen der Höhenunterschiede sehr beschwerlich sind.

Als Ausländer müsse man sich daran gewöhnen, dass Inselbewohner kaum Englisch sprächen, dennoch sei ihre Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft bewundernswert. Ein Vorteil sei auch, dass die Insel per Internet gut erschlossen sei.

Prof. Dr. Kayser gab zu, dass der Pilgerweg für ihn zum Teil sehr anstrengend gewesen sei und er sicher nicht noch einmal dazu aufbrechen werde. Dennoch habe diese Erfahrung seinen Blick auf Dortmund positiv verändert und sein Leben bereichert. Er beendete seinen sehr interessanten Vortrag mit dem Hinweis auf die Regeln, die unser Leben bestimmen sollten: Aktivität, sozial zu leben, Achtsamkeit, realistische Erwartungen, Gelassenheit mit dem Unglück und Freude durch Arbeit. (Edelgard Dingerdissen)

Lib`ELLEn-Abend zum buddhistischen Pilgerweg